Liebe Leserin, lieber Leser!
„Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5)
Manchmal gibt es Dinge in unserem Leben, von denen wir uns nur schwer trennen können. Vielleicht ist es der alte Lieblingspulli: vertraut, warm, voller Erinnerungen – und doch längst ausgeleiert. Oder es ist ein Küchentisch, an dem viele Gespräche geführt wurden, der inzwischen aber wackelt und – die Kinder sind aus dem Haus – völlig überdimensioniert im Raum steht. Man weiß: Seine Zeit ist vorbei. Aber ihn wegzugeben, fällt schwer.
So ähnlich ist es manchmal mit Lebensabschnitten, Beziehungen oder Gewohnheiten – auch und gerade in einer Kirchengemeinde. Auch sie leiern aus wie ein zerliebtes Kleidungsstück oder werden wackelig und zu groß wie ein alter Tisch, der lange gute Dienste tat. Sie waren einmal gut – und doch spüren wir, dass sie uns nicht in die Zukunft tragen. Dass es Zeit wäre, sie loszulassen. Das braucht Mut. Und noch mehr: Vertrauen, dass das, was kommt, gut werden darf.
Gott verspricht uns: Nichts, was zerbricht, ist für immer verloren. Er ist ein Gott des Neuanfangs – und er arbeitet sanft und geduldig. Er macht nicht alles über Nacht anders, sondern beginnt oft unscheinbar. Nicht laut, nicht überstürzt. Sondern behutsam, treu – und genau zur richtigen Zeit.
Manchmal spüren wir diesen Neuanfang schon. Manchmal sehen wir ihn erst, wenn wir zurückblicken. Und manchmal liegt er noch verborgen unter der Oberfläche.
Vielleicht kennen Sie solche Momente:
Etwas bricht in deinem Leben – und doch findest du später Wege, die du damals nicht sehen konntest.
Du bist überzeugt: Das wird nie wieder gut – und trotzdem öffnet sich irgendwann eine Tür.
Du hast das Gefühl, alles steht still – und doch wächst unter der Oberfläche leise etwas Neues.
Die Jahreslosung 2026 steht in der Offenbarung – dem letzten Buch der Bibel. Dort berichtet Johannes von einer Vision: Er sieht eine neue Welt, in der Gott selbst bei den Menschen wohnt. Eine Welt ohne Leid, ohne Tod, ohne Tränen. Und Gott selbst sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“
Das ist kein hektisches „Alles auf Null“, kein radikaler Kahlschlag. Es ist ein Neuanfang, der aus Gottes Treue wächst.
Die Bibel erzählt immer wieder, dass Erneuerung Zeit braucht:
Aus einem winzigen Senfkorn wird ein großer Baum.
Aus einer langen Nacht wächst ein neuer Morgen.
Aus Trauer wird wieder Tanz.
Dieses „Neu machen“ kann ganz persönlich sein: Ein neuer Job, eine geheilte Beziehung, ein Schritt aus der Krankheit in die Gesundheit.
Oft beginnt Gottes Neues unscheinbar: Ein Gedanke, ein freundlicher Mensch, ein kleiner Satz: „Vielleicht könnte ich ja mal…“
Und dieses „Neu machen“ gilt nicht nur für unser persönliches Leben – sondern auch für unsere Kirchengemeinde und für die Welt um uns herum.
Wir erleben unsere Kirche im Umbruch, sehen unsere Gebäude und Zuständigkeiten in Frage gestellt.
Wir sehen Kriege, zerstörte Städte, Menschen auf der Flucht, eine Schöpfung, die leidet.
Und mitten in all dem spricht Gott seine Zusage: „Ich mache alles neu.“
Das ist keine billige Vertröstung, sondern eine Einladung, jetzt schon Zeichen der Erneuerung zu sehen und vielleicht selbst zu setzen.
Claudia Konnert

