Ein Mensch, der über Land zog, rief seine Mitarbeiter zu sich und vertraute ihnen sein Vermögen an; einem gab er fünf Zentner Silber, dem anderen zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und er zog hinweg. Matthäus 24, 14f.
Liebe Leserin, lieber Leser,
ungleich behandelt der HERR seine Leute. Deshalb geht in uns schon gleich das Murren los: Ungleichheit ist Ungerechtigkeit, sagen wir.
Bekomme ich nicht zu wenig, wenn einem anderen mehr gegeben wird?
Dieses Vergleichen und Neiden und auch der in Geschichte und Gegenwart häufige, aber untaugliche Versuch einer Gleichmacherei, lastet schwer auf dem Zusammenleben der Menschen. Und es gibt niemanden, der stark genug wäre, diese Fessel zu sprengen, als Jesus allein. Er erklärt uns in dem zitierten Gleichnis, dass die Gaben an seine Mitarbeiter verschieden sind. Die Ungleichheit entspricht dem Willen des Chefs, sie ist kein Versehen oder Managementfehler. Jeder der mit Vermögen (im Griechischen steht da das Wort: Talente) Betraute, soll das ihm Gegebene möglichst gut nutzen und mehren. Und keiner braucht auf seine Kollegen hochnäsig oder mitleidig herabzublicken. „Verricht das Deine nur getreu …!“, heißt es im Lied.
Denn alle Talente, alles, was Gott uns an Mitteln und Möglichkeiten gibt, alles bleibt sein Eigentum und soll zu seiner Ehre eingesetzt, ja gemehrt werden.
Wie können wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gottes, seine Getauften und zur Mithilfe an seinem Werk Berufenen da gegeneinander streiten und gegeneinander arbeiten, wenn wir doch Mitarbeiter des einen Herrn sind?
Er ist uns Friede!
Er ist es, der die Christenheit zur Einheit beruft und weil er der eine ist, gibt es eine allgemeine und weltweite Kirche.
Innerhalb dieser Einheit aber macht Gott seine Herrschaft dadurch offenbar, dass er einem / einer jeden seine / ihre Gabe gibt, gemäß seinem Willen und seiner Weisheit.
Wenn ich das erfasst habe, freue ich mich daran, dass die anderen anders sind als ich; denn darin wird der große Reichtum Gottes spürbar.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit daheim und an anderen Orten.
Viel Freude beim (Neu-)Entdecken Ihrer Gaben und mindestens ebenso viel Freude beim Staunen über die Gaben der anderen.
Wir alle dienen dem einem Herrn.
Also auf gute Gemeinschaft und trauen Sie sich zu, Ihre Gaben in die Kirche einzubringen.
Herzlich Ihr/Euer Günter Lötzbeyer, Pfarrer

